Die Puppe vermag im leblosen Zustand auf gespenstische Weise Leben zu behaupten. Puppen fordern von uns unsere ganze Vorstellungskraft.

Roman Paska, New York

Figurentheater ist Theater der Bilder. Es sind Bilder, die sich auflösen und wieder neu aufbauen und mit den Bildern in den Köpfen der Zuschauer ins „Gespräch“ kommen. Diese Eigenart des Figurentheaters ist mit ein Grund, warum Kinder diese Theaterform besonders mögen.

Das Figurentheater Kirchdorf erarbeitet Stücke für Kinder und Stücke für Erwachsene. Die Stücke für Kinder überwiegen.

Es gibt kaum Texte, die für Figurentheater geschrieben sind. So entstehen die meisten Produktionen nach Märchen, Sagen oder Kinderbüchern, die von der Gruppe für die Bühne bearbeitet werden.

Anfänglich wurden alle Figuren vom jeweiligen Ensemble gemeinsam gebaut, in den letzten Jahren hat dies Rosa Teutsch gemacht. Die Figuren tragen auch unverwechselbar ihre Handschrift.

In Zusammenarbeit mit dem Theater Kirchdorf entstehen immer wieder interessante Produktionen, die für uns Spieler und Puppenbauer spannende und anregende Herausforderungen sind. Es gilt dabei ja nicht, Schauspieler einfach durch Figuren zu ersetzen sondern es bedarf der Überlegung, warum gerade die Puppe in dieser speziellen Rolle dem Schauspieler in der Darstellung etwas voraus hat.

Die Fortbildung der Figurenspieler hat einen wichtigen Stellenwert. So werden Seminare, Ausstellungen und Festivals besucht oder solche hier für Kirchdorf organisiert.

Zur Dokumentation der Arbeit existieren zwei Tourneetagebücher, Fotoalben und zwei Kataloge, die aus Anlaß des zwanzigjährigen und dreißigjährigen Bestehens gedruckt wurden.

Puppen und Figuren unserer Aufführungen

Puppen, Figuren (beide Begriffe sind gebräuchlich) sind Rollenträger, die sich in Bauweise und dem Zugriff durch die Spieler unterscheiden. Es gibt eine Fülle unterschiedlichster Arten. Wir haben für einige von diesen Vorlieben entwickelt.

Alle Zeichnungen der Figuren sind von Rosa Teutsch.


Bunrakufiguren, Tischmarionetten, Bodengliederpuppen – offene Spielweise:

Diese Figurenart stammt aus Japan und hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jh. bei uns durchgesetzt. Die Spieler sind sichtbar, gleichsam der Schatten der Figur oder aber auch ihr Gegenüber. Mit dieser Figurenart spielen wir am häufigsten. Sie kommt den Bedingungen des Theaterraumes entgegen, der ein Spiel über der Kopfhöhe der Spielerinnen und Spieler nicht zuläßt.

Stockpuppen, Stabfiguren:

Der Kopf der Figur steckt auf einem Stock und die Arme schlenkern oder werden mit Stäben bewegt. Manchmal erweitern Fadenzüge die Bewegungsmöglichkeiten der Puppen. Diese Figuren werden meist über dem Kopf des Spielers geführt, oft sind die Spielerin und der Spieler versteckt oder nur teilweise sichtbar. In unserem Theater müssen wir bei dieser Spielweise auf die Knie!


Handpuppen:

Die Hand der Spielerin steckt in der Puppe, der Kopf auf dem Zeigefinger, die Hände auf Daumen und kleinem Finger oder Daumen und Mittelfinger. Diese Puppenart ist als Kasperlpuppe die bekannteste in unserem Kulturkreis. Mit Handpuppen in einer Guckkastenbühne haben wir begonnen.


Handstockpuppen:

Der Kopf steckt auf einem Stock, die Puppenhand ist gleichzeitig die Spielerhand. Bei offener Spielweise sind auch die Beine der Spieler gleichsam die der Figur. Die Puppen aus „Waidmannsheil oder Meuchelmord in Molln“, die mit Verwendung von bäuerlichem Gerät wie Traktorsitz, Körben, Waschrumpel... gebaut wurden , mußten mit Fahnengurten getragen werden.

Variation:

Nicht immer steckt der Puppenkopf auf einem Stock. Hat die Puppe einen beweglichen Mund, wird dieser durch die Hand der Spielerin oder des Spielers bewegt, die zweite Hand der Spieler ist wieder die Puppenhand.

Flachfiguren:

Wie der Name sagt, sind diese Figuren zweidimensional, bewegliche Teile werden mit Stäben oder über Fadenzüge bewegt. Wir haben 1989 das Stück „Kleiner König riesengroß“ in dieser Technik gespielt.